Sie sehen ja schon ein wenig verloren aus, wie sie etwas abseits gelegen am Rande des Stadtfestes auf dem Königsplatz auf die vereinzelten Interessierten warten.
Einer der Soldaten kommt auf uns zu, sagt uns wie gut er unsere Aktion findet, redet von Demokratie, Meinungsfreiheit, dass wir in vielen Punkten auch recht hätten, und dass er es selbst für falsch hält an einem Stadtfest Rekruten zu werben.
Natürlich tut er es trotzdem. Und natürlich ist es von seiten der Bundeswehr gewünscht sich nach außen hin offen und demokratisch zu präsentieren. So verteilt er weiter Info-Broschüren an Jugendliche und Schulmaterial an Kinder, ungeachtet der eventuellen Zweifel die ihn als Mensch quälen mögen.
Die Werbe-Maßnahmen der Bundeswehr haben in den letzten Jahren dramatisch zugenommen. In Zeiten von hoher Arbeitslosigkeit und Ausbildungsplatzmangel gibt sich die Bundeswehr als Arbeitgeber der Zukunft. Sie sucht nach BewerberInnen in allen Bereichen, vom Informatiker bis zum Landwirt. Dabei betont sie vor allem die zivilen Arbeitsplätze, die nicht direkt an Kriegshandlungen beteiligt sind, zeigt aber auch ihre Kriegsmaschinen wie Panzer und Kampfflugzeuge, die man sich aus der Nähe betrachten kann.
Erschreckend ist dabei vor allem, dass die Bundeswehr in zunehmendem Maße auf Kinder zugeht. Es gibt von Sportveranstaltungen bis zum Abenteuerurlaub alles an Freizeitaktivitäten was man sich vorstellen kann. Alles mit dem Ziel das Image einer Armee aufzupolieren die sich mehr und mehr an Angriffskriegen beteiligt.
Eine Armee ist niemals ein gewöhnlicher Arbeitgeber. Arbeitsplätze bei der Bundeswehr sind nicht den normalen Schwankungen in der Wirtschaft ausgesetzt. Egal wie hoch die Arbeitslosigkeit ist, egal wie wenig Ausbildungsplätze vorhanden sind, egal wie sehr sich die Regierung in allen Bereichen zu kürzen genötigt sieht, bei der Armee wird als letztes gespart. Das heißt vielleicht, dass die Armee sichere Arbeitsplätze anbietet (wenn man die Gefahr zu sterben außer acht lässt), aber es bedeutet auch, dass die Armee von hoher Arbeitslosigkeit profitiert. Das tendenziell mehr Menschen sich bereit erklären an Kriegshandlungen teilzunehmen, wenn die Armut in der Bevölkerung groß ist. Das die Armee aus einer geschwächten Bevölkerung gestärkt hervor geht. Das die Nötigung für Kapitalinteressen einzutreten oder zu kämpfen genau dann am stärksten ist, wenn das Interesse des Kapitals am wenigsten bei der Bevölkerung liegt.
Tatsächlich sind die Rekruten Zahlen bei der Bundeswehr im letzten Jahr massiv zurückgegangen. Dieses Phänomen widerlegt allerdings nicht die grundlegende Tendenz sondern hat den Hintergrund, dass zu dieser Zeit viele deutsche Soldaten im Ausland gefallen sind, etwas das vorher nicht so häufig passiert ist. Für die Bundeswehr ein Problem dass sie nur mit gezielter Propaganda wieder ausgleichen kann. Diese Propaganda sehen wir heute.
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